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Gedanken zum 125-jährigen Weihejubiläum
der Ev.-luth. Inselkirche

von Pastor Christian Neumann, Langeoog

 

ZWISCHEN DEN (GE-)ZEITEN


Liebe Langeoogerinnen und Langeooger,
liebe Urlauberinnen und Urlauber!

„Ich kann auch für mich allein an Gott glauben – dafür brauche ich die Kirche nicht.“ Häufig meinen Menschen, sich unaufgefordert vor mir rechtfertigen zu müssen, warum sie sonntags nie im Gottesdienst zu sehen sind. „Ich gehe lieber raus in die Natur / an den Strand / in meinen Garten – da fühle ich mich Gott nahe.“ Ich und mein Gott, mein Glaube, das ist meine Privatsache. So denken viele. Und da ist ja auch etwas Wahres dran. Glaube, das ist ja wirklich etwas ganz Persönliches, das ist etwas fürs Herz, meine ganz persönliche Herzensangelegenheit. Was ich glaube, geht niemanden etwas an.
Und nun steht auf unserer Insel mitten im Dorf seit 125 Jahren eine Kirche. 1890 ist die Ev.-luth. Inselkirche unter Federführung und Finanzierung des Klosters Loccum errichtet worden. Denn für die zunehmende Anzahl an Gästen reichte der Vorgängerbau am Sonntagmorgen nicht mehr aus. Fünf Generationen von Insulanern hat dieses Gotteshaus durchs Leben begleitet – in Freud und Leid, wie man so schön sagt. 125 Jahresläufe sind in ihr durchlebt und durchbetet worden. Sie hat Stürmen getrotzt und in der Sommerhitze Schatten gespendet. Vieles hat sie kommen und gehen sehen im Lauf der Zeit: Menschen und Moden, Einstellungen zum Leben und Glauben, Engagierte und Entfremdete – auch Pastoren.

Kirchen sind materialisierter Glaube. Mit ihren Türmen sind sie wie ein Fingerzeig, dass es den Himmel für Dich und mich immer noch gibt. Jeden Sonntag heißt es: „Komm herein!“ So rufen die Glocken, sagt jeder Stein, nötigt die offene Tür. Denn Glaube hat auch immer eine Außenseite. Glaube will gefeiert werden. Mit Musik und Gesang, mit überlieferten Worten unserer Tradition, mit einer Predigt, die die alten Worte mit unserer aktuellen Lebenssituation verknüpft. Und das alles in der Gemeinschaft mit Menschen, die wie ich auf der Suche sind nach etwas, was trägt und Sinn stiftet, und die den alten Worten zutrauen, dass sie genau dies schaffen können. Es tut mir gut, wenn eine neben mir laut mitsingt, während mir der Kloß im Hals steckt. Es tut gut zu wissen, dass da Menschen für diese Welt beten, wenn ich sprachlos geworden bin. Mein Glaube lebt davon, dass mir andere die frohe Botschaft und Vergebung zusprechen, weil ich mir das selbst nicht sagen kann.

Kirche lebt nicht davon, prachtvolle Filialen an jedem Ort zu haben. Kirche sein heißt, hier am Ort eine Gemeinschaft zu suchen, die nicht nur von einem gemeinsamen Interesse bestimmt ist, sondern von einer gemeinsamen Hoffnung lebt. Eine Gemeinschaft zu bilden, die in verwirrter und verwirrender Zeit den Glauben kennt und miteinander bekennt. Ein Glaube, der die Kostbarkeit des Lebens wertschätzt und die nicht anzutastende Würde des Menschen verteidigt, weil wir alle Gottes Kinder sind. Nicht zuletzt heißt das: eine Gemeinschaft zu bilden, die zwar zu eigenem Trost und Seligkeit hilft, vor allem aber die Liebe zum Nächsten praktiziert.
Es kann ja sein, dass einer sagt: Ich brauche diese Gemeinschaft für meinen Glauben nicht. Den kann ich auch für mich leben. Aber vielleicht, nein ganz sicher braucht diese Gemeinschaft Dich.
Am 12. Juli wollen wir das miteinander begehen und feiern. In der Kirche. Im Gottesdienst. Mit einem Fest des Lebens und Glaubens. Herzlich willkommen!

 

Es grüßt Sie herzlich Ihr Christian Neumann