Inselkirche Langeoog

 

Das Altarbild

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
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Hermann BußDas Langeooger Altarbild ist eine Provokation, die sich allerdings dem flüchtigen Betrachter zunächst hinter der Harmonie der Farben und einem‚ passenden' Leitmotiv - einem Schiff - verbirgt.
Der Altar mit dem AltarbildHermann Buß,
Künstler und Lehrer aus Norden/Ostfriesland,
Maler der Langeooger Altarbildes
Das Bild ist das Ergebnis einer Ausschreibung unter 7 norddeutschen Künstlern. Formaler Anlass dazu war die Restaurierung der Inselkirche in den Jahren 1988/89, mit der die ursprüngliche neugotische Form von 1890 so weit wie möglich wieder hergestellt wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch der Retabelaltar in seiner früheren Gestalt nachgebildet.
Die Bauherren aus dem Kloster Loccum hatten das Retabel 1889 mit der Kopie eines italienischen Gemäldes aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert gefüllt, einer Darstellung des auferstandenen Christus von Giovanni Battista Cima, genannt Cima da Conegliano (das Original hängt im Dresdener Zwinger). Im Zuge der Restaurierung entschied sich der Kirchenvorstand hundert Jahre später, an dieser Stelle ein zeitgemäßes Signal zu setzen.
Die Ausschreibung setzte den Rahmen bewusst weit und nannte als Kriterien lediglich den Ort des Bildes und sein architektonisches und farbliches Ensemble. Dies Das Altarbild von Hermann Bußerbrachte elf Entwürfe, die nahezu alle Stilrichtungen der Gegenwart spiegelten, von der naiven bis zur gegenstandslosen Malerei. Eine Kommission aus drei Fachleuten und zwei Mitgliedern des Kirchenvorstandes wählte daraus nach langen und intensiven Gesprächen einstimmig den Entwurf von Hermann Buß aus.
Jürgen Schipper, Pastor und langjähriger Freund von Hermann Buß, beschreibt das Bild so:

"Eine norddeutsche Ansicht. Unter hohem Himmel ein Schiff wie die Fährschiffe, die zu den Ostfriesischen Inseln fahren. Davor Menschen, neben sich Reisetaschen. Die Fläche, die sich dunkelgrün über die Bildgrenze hinaus nach vorne zieht, erinnert an ein Schiffsdeck, mit Schweißnähten. Im Vordergrund Tisch und Stühle. Der Tisch blendend weiß, die Stühle schräg und quer dazu, weg geschoben beim Aufstehen, Kleidungsstücke hängen noch über der Lehne, und am rechten Rand ragen zwei Arme mit roten Jackenärmeln ins Bild.
Die Ansicht wirkt nicht gefällig, dient nicht den Interessen einer Tourismusbranche. Das Schiff, schmutzigweiß auf das Deck geschoben , liegt da wie gestrandet. Seine sichtbar angefressene Außenhaut zeigt den Verfall. Für die Menschen scheint es nicht mehr nutzbar. Sie stehen am Rand der Fläche, ohne Bewegung. Lauter Einzelne, meiden sie Kontakt und Gespräch. Dem Betrachter kehren sie überwiegend den Rücken zu. Reglos bilden sie für unser Auge Objekte."


Das Bild ermöglicht keine unmittelbare Assoziation zu biblischen Motiven. An dieser Tatsache macht sich die vielfältige Kritik vor allem aus konservativen kirchlichen Kreisen fest. Auf Grund ihrer oft unbewussten Vorentscheidung, dass biblische Bilder "etwas Tröstliches" haben, beurteilen sie das Bild von Buß als "leer" und "trostlos", bestenfalls als Beschreibung der real existierenden Kirche in Deutschland.

Andere Betrachter, offenkundig eher aus dem kirchenkritischen Lager, empfinden das Bild als "befreiend", "anregend", "zum Nachdenken einladend". Tatsächlich zwingt das Bild den Betrachter, auf rasche Identifikationen nach dem Motto "Können Sie mir wohl in zwei Sätzen erklären, was das Bild darstellt?" zu verzichten, bedarf aber andererseits keiner kunstgeschichtlichen Vorkenntnisse, um die Einzelheiten wahrzunehmen.

Hermann Buß will nach eigenen Aussagen den Menschen von heute ernst nehmen, aber auch "die tiefe Symbolik der Altüberlieferten Symbolsprache der christlichen Ikonographie... Immer wieder imitiert, verkommt sie zur trivialen leeren Formel... übrig bleibt pure Dekoration. Meine Überlegung ist: (In unsern Kirchen braucht es Bilder, die) eine anschauliche Projektionsfläche für meine ‚Innenschau' darstellen. Ich wähle dafür eine auf der vordergründigen Ebene von allen lesbare Bildsprache. Ich hole die Menschen dort ab, wo sie sich auskennen".
Kühle Bilder – Das Werk des Mahlers Hermann Buß
Ankündigung des neuen Buches über Hermann Buß:
D.Diederichs-Gottschalk, J.M. Schipper, L. Teckemeyer: Treibgut. Grund-lose Bilder von Hermann Buß. Schnell & Steiner Verlag, Regensburg, 2001, 128 Seiten, 39 Mark in der Evangelischen Zeitung Nr. 2 (14.Jan 2001)
„Das Altarbild hat mich auf eine – bis jetzt noch unerklärliche Art - angerührt. Das tut gut und gefällt mir an dieser Kirche besonders“, schrieb ein Besucher ins Gästebuch der Inselkirche Langeoog. Eine andere Gruppe hielt fest: „Das Altarbild hat uns sehr nachdenklich gemacht. Danke für den Mut.“

Viele ähnliche Äußerungen entsprangen der Auseinandersetzung mit einem Altarbild, das völlig aus dem Rahmen des Gewohnten fällt. Der Maler: Hermann Buß, Künstler und Lehrer, in Ostfriesland aufgewachsen und nach eigenen Worten von „zwei Obsessionen“ bewohnt, der Seefahrt und der Kunst. Der 49-jährige sieht sich in der Tradition des kritischen Realismus, der über die Darstellung des real Sichtbaren Erkenntnis und Erfahrungen vermitteln will.

Seine klaren und kühlen Bilder sprechen von Einsamkeit und von Versuchen, in der Masse Identität zu finden; von Kälte und von der Sehnsucht nach Geborgenheit. Die heimatliche Meeresküste, Schiffe und winterliche Landschaften der ostfriesischen Geest sind seine Motive.

Auch in den Bildern für die drei Altäre, die Buß zwischen 1990 und 1998 geschaffen hat, sucht man erkennbar christliche Motive zumindest auf den ersten Blick vergeblich. Man muß genau und lange hinsehen, sich mit den Kunstwerken auseinander setzen und sie im Zusammenklang mit dem jeweiligen Kirchenraum wirken lassen.

In der neugotischen Inselkirche von Langeoog ist das Mittelbild in den Altar hineinkomponiert: Der leere Tisch über dem Antependium mit Brot und Wein – verlassen oder einladend?

Auf dem Weg zur Fähre in Bensersiel lohnt es sich, nach Ardorf bei Wittmund abzubiegen, zum dreiflügeligen Altar von Buß in der romanischen Kirche. Ein Schiff – eine Arche? - in der Predella trägt das gesamte Werk und stellt in seinem Bezug auf das Mittelbild, den einsamen Wanderer auf einer winterlichen Straße, die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen.

In der klassizistischen Kapelle von Warzen bei Alfeld hat Buß in seinem Altar die südniedersächsische Landschaft aufgenommen. In der Predella erinnert ein zersägter Baumstamm an die Schöpfung, treiben aus der Schnittfläche des Holzes junge Pflanzen.

Wer sich näher mit diesen ungewöhnlichen Altarbildern auseinander setzen und das gesamte Werk dieses Künstlers kennen lernen will, sei an ein Buch verwiesen, das jetzt erscheint: „Treibgut. Grund-lose Bilder von Hermann Buß“.
Das dreiflügelige Altarbild von Hermann Buß in der romanischen Kirche in Ardorf bei Wittmund (1998)
Die drei Pastoren Dietrich Diederichs-Gottschalk, Jürgen M. Schipper und Lothar Teckemeyer haben als Autoren ihre langjährige Bekanntschaft mit Hermann Buß und ihre genaue Kenntnis seines Werkes in dieses Buch eingebracht.
Ein großes Kapitel ist den Altarbildern von Langeoog, Ardorf und Warzen gewidmet. In einem weiteren Kapitel sind Reaktionen auf das Werk von Hermann Buß zu finden sowie die Erzählung „Der unheimliche Fremde“ von Georg A. Weth.
Interessant der Teil mit Berichten aus der religionspädagogischen Praxis mit Unterrichtsprotokollen. Das letzte Kapitel ist eine reiche Präsentation des Gesamtwerkes von Buß. Die exzellenten Fotos in dem Band stammen von Ulrich Ahrensmeier.
Herausgeber ist Hasso von Poser vom Kunstreferat der hannoverschen Landeskirche. Er hat dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht – nicht zuletzt dadurch, viele Sponsoren gefunden und mit 35.000 Mark Sponsorengeldern den Hauptanteil der Kosten finanziert zu haben. Das Buch wird am 20. Januar um 15 Uhr in der Ludgerikirche in Norden der Öffentlichkeit präsentiert. Am 2. Februar um 20 Uhr wird in der Markuskirche, Hannover, eine Ausstellung mit Werken von Hermann Buß eröffnet.

(aus: Evangelische Zeitung, 14.Jan. 2001 S.4)

Dieser Ansatz entspricht nach Meinung von Inselpastor Klaus von Mering der kirchlichen Situation unserer Zeit und unserer Gesellschaft: "Wir sind als Christen in einem hoch entwickelten Industrieland nicht mehr so dran, dass wir dem Unsicheren oder erklärtermaßen Glaubenslosen als die Wissenden gegenüberstünden, die ihm erklären könnten, was Glauben ist. Sondern wir stehen gemeinsam vor dem ‚Bild' der Geschichte und Gegenwart unseres Lebens und brauchen das Gespräch mit den Zeitgenossen und der Bibel, um tragfähige Deutungen zu finden".

 

Zur Anregung und Vertiefung dieses Gesprächs hat Klaus von Mering unter dem Titel "Das Altarbild in der Langeooger Inselkirche - Kommentare und Hinweise" eine 40seitige Broschüre zusammengestellt, die für € 2,50 im Eine-Welt-Laden zu beziehen ist. Außerdem gibt es dort eine Bildkarte mit einem Originalfoto (€ 1,10 inclus. Umschlag). Weitere Informationen zur Inselkirche und ihrer Geschichte finden Sie in "100 Jahre Inselkirche Langeoog - Wissenswertes, Hintergründiges und Vergnügliches aus Langeoogs Vergangenheit".

 

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