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Gottesdienst für Zuhause

zum Palmsonntag – 5. April 2020

Text: Johannes 12,12-19

„Auf den grünen Zweig gekommen“
aufgenommen in der Inselkirche Langeoog am 4.4.2020

Inselpastor Christian Neumann
Hauptstraße 13 – 26465 Langeoog
Tel.: 04972- 9 22 44 9
eMail: kg.langeoog@evlka.de

  • 00:00“ Glockenläuten
  • 00:48“ Orgelvorspiel (L.v. Beethoven: Sonata „Pathetique“ Op. 13 – II Adagio cantabile)
    und Entzünden der Osterkerze
  • 03:05“ Worte zum Eingang
  • 04:30“ Lesung: Johannes 12,12-19 (Evangelium d. Palmsonntags)
  • 05:45“ Lied: EG 11,1-3 Wie soll ich dich empfangen
  • 09:12“ Ansprache
  • 18:52“ Lied: EG 11,6
  • 20:08“ Vaterunser
  • 21:06“ Segen
  • 21:42“ Musik zum Ausgang
 
Lesung: Johannes 12,12-19

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war,
hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

Das verstanden seine Jünger zuerst nicht;
doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.
Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

Die Pharisäer aber sprachen untereinander:
Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Lied: EG 11,1-3 Wie soll ich dich empfangen

--> Andacht zum Lied von Barbara Groote

1. Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir, / o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen / in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, / so gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud, / als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, / da Fried und Freude lacht, / da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht.


Predigt „Auf den grünen Zweig gekommen.“

I. Palmsonntag: Der Friedensprophet ohne Kriegsrhetorik
Ich habe heute einen Buchsbaumzweig in meiner Hand. Am Palmsonntag eine alte Tradition. Der Zweig erinnert an die Geschichte des Einzugs Jesu in Jerusalem.
Menschen nahmen Zweige von den Palmen und säumten seinen Weg in die Stadt. Endlich würde der ersehnte Retter, der neue König nach Jerusalem kommen.
Eine Menge hat sich versammelt, die ihm zujubelt:
„Hosianna! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn.“
Jesus kommt nicht hoch zu Ross in seine Stadt. Das einmütig von den Evangelisten berichtete Reiten auf einem Esel spielt auf eine Passage im Propheten Sacharja an: Da wird ein Friedenskönig prophezeit, der auf einem Eselsfohlen unter dem Jubel der Menge nach Jerusalem einzieht, um ein Reich des Friedens aufzubauen.

Jesus, der Friedensbringer wird freudig begrüßt mit Zweigen in der Hand.
Der Zweig in meiner Hand soll ein Zeichen sein in unseren Tagen gegen alle Kriegsrhetorik in den Wochen von Corona.
Gegen „Wir zuerst!“.
Gegen Schutzmaskenpiraterie.
Ich bin den Entscheidungsträgern in unserem Land sehr dankbar, dass sie andere Worte wählen. Nicht nur auf wehrhafte Abgrenzung setzen. Wie gut, dass Erkrankte etwa aus Italien oder Frankreich zu uns geholt werden und hier Hilfe erfahren. Und die große Mehrheit in unserem Land befürwortet, dass wir auch und gerade jetzt denen in den ärmeren Teilen der Welt helfen, die viel schutzloser als wir durch die Pandemie gehen müssen.

Mein Zweig erinnert an Worte und Taten des Friedens

II. Der menschennahe Gott
Der Palmsonntag ist die Geschichte von Menschen, die auf dem absteigenden Ast sind. In Not geraten. Heruntergekommen.
Sie haben Jesus bejubelt, wie einen neuen König. Vielleicht das Große erhofft. Ihr Ruf „Hosianna“ ist eigentlich kein Jubel sondern heißt übersetzt: Hilf doch!
Jesus, der Retter, kommt geritten auf dem Lasttier der kleinen Leute.

Mein Palmzweig, erinnert mich daran, dass wir einen Gott haben, der zu uns herunter gekommen ist.
Der sich auf den absteigenden Ast begeben hat, um uns nahe zu sein.
Jesus ist den einfachen Weg unseres Lebens gegangen. Mit Menschlichkeit.

Die kommenden Tage werden nun entscheidend sein dafür, wie es weitergeht. Wie wir durch diese Krise kommen. Ob wir Hoffnung haben dürfen. Ob unser Ruf: hilft doch! erhört werden kann.
Ich denke, wir erleben gerade einen Schub der gefühlten Humanität. Wir sind jetzt bereit, Lasten zugunsten anderer zu übernehmen.
Wir alle verzichten auf ganz Wesentliches, damit wir einander helfen können.

Der Zweig in meiner Hand erinnert mich an diesem Palmsonntag an alle, die jetzt den Menschen zugewandt bleiben und für uns da sind, Großartiges leisten.
Und mein „Palmzweig“ soll mich daran erinnern, dass wir in besseren Tagen diese Erfahrungen nicht vergessen.
Dass uns bewusst bleibt, welche guten Werte uns durch diese Ausnahmewochen geleitet haben: Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Vertrauen.

III. Unser Leben von Ostern her
Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche.
Der Palmzweig in meiner Hand erinnert mich daran, wie schnell unser Leben umschlagen kann.
Wie aus den grünenden Zweigen das harte Holz des Kreuzes wird.

Die Zweige des Buchsbaums werden traditionell nach dem Palmsonntag verbrannt, ihre Asche gesammelt.
Am Aschermittwoch wird damit das Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Zeichen der Umkehr und Vergebung.

Uns allen, dir und mir, wird angesichts der Pandemie die Endlichkeit unseres Lebens auf drastische Weise vor Augen geführt und bewusst.
Es ist nicht selbstverständlich, dass ich morgen gesund bin und lebe.
Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Wohlstand und Freiheit genießen.
Wir erleben eine Zeit, in der wir uns fragen, wo wir auf dem Holzweg gewesen sind, persönlich und als Gesellschaft.

Ich merke, wie schwer es mir fällt, nicht genau zu wissen, wie das Morgen aussieht, was heute richtig ist.
Sicher werden wir im Nachhinein schlauer sein, und auch Fehler eingestehen müssen.
Und es wird auch Situationen geben, bei denen Menschen im Nachhinein nicht sagen können, da komme ich nun sauber raus, ohne mich schuldig zu machen.
Auch in meinem Leben gibt es die Momente der Schuld.

Mein „Palmzweig“ in der Hand ist grün.
Der Frühling hält in diesen Tagen mit Macht Einzug. Blühende Zeichen der Hoffnung sprießen aus dem Boden und hängen in den Zweigen.

In der Karwoche leben wir auf Osten hin.
Von diesem Ende, oder besser: von diesem Anfang her dürfen wir leben.
Wir kommen auf einen grünen Zweig. Von Ostern her sollen wir die Hoffnung weitertragen,
dass das Leben siegt, am Ende Gnade vor Recht ergeht, und die Liebe die Oberhand behält.
Das Osterfest in diesem Jahr wird für uns sicher sehr anders aussehen, als sonst. Aber vielleicht kommen wir in dieser Zeit dem Geheimnis von Ostern besser auf die Spur.

IV. Seid Hoffnungsträger an der Seite Jesu
Die grünen Zweige am Palmsonntag sind nur Symbol. Das Ritual darf das Leben nicht ersetzen.
Wir selbst sollen zu grünen Zweigen, zu Hoffnungsträgern werden an der Seite Jesu.
Christus, wir gehen Deinen Weg mit, auch da, wo das Blatt sich wendet und wir gefordert sind mit Verantwortung für einander.
Das Leben, dein Leben wird stärker bleiben als der Tod. Jesus, ziehe bei uns ein und verbreite Deine Kraft über die ganze Welt. So werden unser Friedenswillen, unsere Mitmenschlichkeit und unsere Hoffnung für die Welt bleiben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

Lied: EG 11,6

6. Das schreib dir in dein Herze, / du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze / sich häuft je mehr und mehr;
seid unverzagt, ihr habet / die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet / und tröstet, steht allhier.

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
+ und gebe dir und durch dich seinen Frieden.
Amen.

 

Ein Lied zum Palmsonntag, ein Lied für diese Zeit

Ich dachte mir, vielleicht schreibe ich jede Woche etwas zu einem Lied. Denn Lieder können so tröstliche Begleiter sein in schwierigen Zeiten. Also lassen Sie sich begleiten von „Wie soll ich dich empfangen“

1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

Als Auftakt in die Karwoche feiern wir Jesu Einzug in Jerusalem, am 1. Advent feiern wir den, der da kommt. Darum passt dieses Lied sowohl in den Advent, als auch zu Palmsonntag.
Welch ein Verlangen drückt die erste Strophe aus, der Hosianna-Ruf der biblischen Geschichte fast Paul Gerhardt in Worte seiner Zeit. Und wir stimmen ein, mitten in der Krise, aus Isolation und Angst heraus, mit Worten unserer Zeit. Hosianna, Herr hilf.
„Mein Herze soll Dir grünen“ Grün, die Farbe der Hoffnung, lasst uns die Hoffnung nicht verlieren in dieser Zeit. Grün, die Farbe des Frühlings, des Neu-Anfangs, der Entwicklung; Ich glaube, da tut sich gerade unglaublich viel in dieser Welt und bei uns, gehen sie achtsam durch die nächsten Tage. Und Grün, die Farbe von Ostern? Vielleicht. Aber in Jedem Fall gehen wir auf Ostern zu. Kein Dunkel des Karfreitags, kein Dunkel der Krise kann verhindern, dass der Ostermorgen kommen wird.

3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.

6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;
seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

Bei allem grün und hoffnungsvollen Gedanken, steht es doch außer Frage, dass diese Zeit, Wochen größter Herausforderung und Belastung sind. Viele Menschen sehen sich in ihrer Existenz bedroht und haben große Sorgen. Da ist es gut zu hören und zu singen von dem, der da kommt, der tröstet, der hilft und rettet; und der diese Welt durch Karfreitag und Ostern bereits überwunden hat.

Kommen Sie gut durch diese Zeit.
Bleiben Sie behütet und gesund
Und singen Sie alleine
und im Geiste verbunden mit anderen.
Ihre Barbara Groote